Goldener Herbst an der Mosel

Mit diesem Versprechen lud die Fachgruppe „Kultur und Reisen“ ein zu einer dreitägigen Tour am verlängerten Wochenende zu Beginn des Oktobers. Nach einem geradezu sommerlichen September zeigte sich der Herbst in diesen Tagen eher von seiner wechselhaften Seite.

Nach einer entspannten Anreise mit der Bahn nahmen die elf  WanderfreundInnen Quartier in dem malerischen Zwillingsstädtchen Treis-Karden, Treis auf der rechten und Karden auf der linken Seite der Mosel gelegen, verbunden durch eine Brücke. Von Weitem schon kündigen die weißen Türme und Gemäuer den „Moseldom“ St. Castor an, das Wahrzeichen der Gemeinde. Weinberge bedecken die Hänge ringsum, zwischen denen sich die Mosel schlängelt.

Das wechselhafte Wetter, das sich nun einstellte, verlangte der Wandergruppe einen flexiblen Umgang mit dem Wanderprogramm ab. Da es bei Regen nicht verlockend war, den steilen Moselhang hinaufzukraxeln, entschied man sich, den Burgenbus zu nehmen, um zu der seit dem Mittelalter bewohnten und immer wieder mit Anbauten, Erkern und Türmchen erweiterten Burg Eltz zu gelangen. Wie ein Märchenschloss liegt die Burg versteckt im Wald. Außer uns hatten viele andere die Besichtigung des ehrwürdigen Gemäuers als Alternative zum Wandern gewählt, sodass den Burgführern nichts anderes übrig blieb, als die vielen Besucher nonstop grüppchenweise durch die Burg zu schleusen.  Bei trockenem Wetter am Nachmittag konnte unsere Gruppe den Rückweg durch das Elzbachtal und über die Hänge des Moseltals dann doch zu Fuß zurücklegen. Unterwegs trafen wir auf Moselwinzer bei der Weinlese in der Steillage, wobei Seilwinden und Eimer mit schrägem Untergestell zum Einsatz kamen.

Am zweiten Tag konnte die Wandergruppe etwas vom Gold des Herbstes genießen. Bei Sonnenschein erklommen wir den Martberg, dessen Name auf den römischen Kriegsgott Mars zurückgeht. Dort haben Archäologen die Grundmauern einer römischen Tempelanlage ausgegraben und Teile der Kultstätte rekonstruiert, die dem keltisch-römischen Gott Lenus-Mars geweiht war. Erstaunlich und beeindruckend ist, zu sehen, wie vor fast 2000 Jahren die Römer mit der Religion der Menschen in den eroberten Gebieten umgingen. Sie verschmolzen die lokal verehrten Gottheiten, in diesem Fall den keltischen Kriegsgott Lenus,  mit ihren eigenen Göttern und respektierten so die religiösen Gefühle der ansässigen Bevölkerung. Es wäre zu wünschen, dass die Akteure in der heutigen oft erhitzten Debatte um Religionen ähnlichen Respekt zeigen könnten.

Das Bilderbuchstädtchen Cochem stand am letzten Tag auf dem Programm, und das bei merklich abgekühlten Temperaturen und zeitweiligem Regen. Ein Stadtführer erklärte uns auf einem Rundgang durch Straßen und Gassen die Geschichte der Stadt, die ihre Ursprünge in römischer Zeit hatte. Weinanbau und die Kreuzung von Handelsrouten ließen die Siedlung wachsen, baulich dominierten seit dem Mittelalter ein ausgedehntes Kloster und die Reichsburg. Heute dominiert der Tourismus, was an diesem Feiertagswochenende ganz besonders zu erleben war. Am Tag zuvor, so der Stadtführer, war die Stadt so voller Besucher, dass die Tourismusverwaltung am liebsten die Zugänge gesperrt hätte.

Unsere Wandergruppe hatte es in dem beschaulicheren Treis-Karden besser getroffen, wo in dem netten Winzerlokal neben unserer Pension frisch zubereitete Gerichte zu einem günstigen Preis aufgetischt wurden, begleitet von Weinen aus eigener Produktion.
Wettermäßig hatten wir den goldenen Herbst eher selten, jedoch entschädigte uns der goldene Schimmer des 
Moselrieslings im Weinglas – so war das Versprechen der Tour doch eingelöst.
 
Elke Eyer

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