NaturFreunde lassen sich nicht unterkriegen: Sommersonnenwende trotz Schafskälte und Regenschauer gefeiert

Heuer fällt die Sonnwendfeier auf ein Wochenende mit viel Regenschauern, kühlen Temperaturen und etlichen Konkurrenzfesten. Naturfreunde lassen sich durch solche Widrigkeiten nicht einschüchtern. Die traditionelle Feier beim NaturFreundeHaus Steinknickle findet trotzdem statt.

Dank zahlreicher Helfer ist der große Holzstoß schnell errichtet. Nach einem heftigen Regenguss entscheiden sich die Verantwortlichen für die sichere Variante: Musik, Reden und Bewirtung finden im Haus und auf der Terrasse statt. Die „Hohenloher Jazz Formation“ schafft es dennoch, mit ihrem gelungenen Auftritt die Gäste stimmungsvoll und kurzweilig zu unterhalten.

Zur Feuerrede ist Waldemar Grytz stellvertretender Landesvorsitzender eingeladen. Ausgehend von den richtungsweisenden Beschlüssen und Forderungen der Landeskonferenz vom April in Stuttgart formuliert Waldemar zentrale Punkte zur derzeitigen politischen Situation ein. Neben anderem führt er dazu aus:

„Die Naturfreunde setzen sich dafür ein, dass Menschen, die als Kriegsflüchtlinge oder weil sie um politisches Asyl bitten, bei uns – in einem der reichsten Länder der Welt - menschenwürdig behandelt werden.

Das bedeutet nicht, dass wir jede kulturell und/oder religiös bedingte Eigenheit von Geflüchteten blind akzeptieren müssen, es bedeutet aber, dass wir offen und soli­darisch mit den Geschundenen sind.

Die allgemeine Basis, sozusagen die Geschäftsgrundlage für unser Zusammenleben, ist unser Grundgesetz und die Charta der Vereinten Nationen. Seit 1949 steht die Aussage von der Unantastbarkeit der Menschenwürde an erster Stelle unserer Verfassung. Sie war eine Reaktion auf die Unmenschlichkeit im dritten Reich und die Erfahrungen (auch vieler Naturfreunde) in der Emigration. Einen, den die Nazis außer Landes drängten, will ich hier zitieren. Die Linken hielten ihn für konservativ und die Konservativen für allzu links. Als Emigrant schrieb er ein Theaterstück, das 1946 in Zürich seine Uraufführung hatte und in dem er sich auch mit dem Rassenwahn der vorausgegangenen 12 Jahre, deutsch-völkischer Überheblichkeit, die wir heute leider wieder erleben müssen, beschäftigte: Carl Zuckmayer: Europa (Des Teufels General, 1946).“

Waldemar Grytz liest das bedeutungsvolle Werk „Vom Rhein — noch dazu. Vom Rhein. Von der großen Völkermühle. Von der Kelter Europas!“

Trotz äußerlicher Gegensätze und unterschiedlicher Methoden, ihre Ziele durchzusetzen, herrsche im Kern eine enge Seelenverwandtschaft zwischen religiösen und nationalistischen Fanatikern aller Richtungen. Denen, die Angst schüren und reaktionäre Gesellschaftsmodelle propagieren, sollten wir uns zusammen mit allen gutwilligen, demokratisch gesinnten Menschen, Gruppen, Initiativen widersetzen.

Nach der eindrucksvollen Rede von Waldemar gibt es viel Gesprächsstoff, die Zeit bis zur Dämmerung wird damit und mit weiteren Musikbeiträgen kurzweilig überbrückt.

Nun werden auf dem Vorplatz die Fackeln verteilt und angezündet. Die Schalmeien eröffnen den Fußmarsch zum Holzstoß auf der Anhöhe vor Neuhütten. Georg Dukiewicz, Vorsitzender der NaturFreunde Heilbronn und des Bezirks Franken, wünscht den zahlreichen Zuschauern einen guten Sommeranfang, hofft auf eine friedliche, solidarische Zukunft und fordert die Fackelträger auf, das Feuer zu entfachen. Die Spannung steigt, hat doch das Holz viel Feuchtigkeit abbekommen. Es dauert einige Zeit, bis die Hölzer endlich lichterloh brennen und die Funken in den jetzt klaren Sternenhimmel entfliehen. Die Schalmeien der NaturFreunde Heilbronn begleiten, mit ihrer eindrucksvollen Musik, dieses immer wieder faszinierende und naturgewaltige Schauspiel. (red)

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